Documenta 14

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Noch nie sind wir mit einem Lächeln, innerer Ruhe und gesättigten Gedanken nach einer Messe oder einer großen Ausstellung eingeschlafen. Es ist 24:00 Uhr und wir liegen im Bett. Hinter uns liegt ein Tag auf der Documenta 14 Kassel.

„Documenta has come to represent a key periodic moment when contemporary art is exhibited and those who are interested in art as well as in its relation to the world meet, assess the situation and share their views.

Das ist Documenta. Kunst aus dem Moment sehen und erleben. Und genau das ist das Stichwort und das Thema unserer Begegnung mit der Documenta 14 in Kassel. Das besondere in diesem Jahr sind die Spaziergänge. Zusammen mit zwei Choristinnen verbrachten wir den Tag vor der Eröffnung am 10. Juni 2017 auf dem Gelände zwischen der Documentahalle, der Orangerie und dem Fridericianum, dem mitunter ersten öfentlichem Museumsgebäude des europäischen Kontinents.

Die Wege, Routen und Parcours der Besucher_innen kreuzen und verflechten sich, wenn sie sich auf ihre Reise durch Athen und/oder Kassel begeben. Bei einem Spaziergang mit einem Mitglied des Chors der documenta 14, können die Besucher_innen ihre eigenen Perspektiven einbringen, hinterfragen und miteinander ins Gespräch kommen, während sie die Ausstellung entdecken und enträtseln.

Auf der Documenta 14 soll es unter anderem um Kommunikation gehen. Um eine Form der Unterhaltung, des Verstehens, der Entschlüsselung von Sprachen (der Kunst). Visualisierung von Musik in Zeichnung und Gemälde. Plastische Darstellung von Gedichten als Skulptren und die Spaziergänge als Sprachrohr und Vermittlung zwischen Exkurs, Kunst, Geschichte und dem Besucher. Die Documenta erschafft eine Sprache, die von jedem Verstanden werden kann.
Zu den Spaziergängen.

Wir haben viel gesehen doch was bleibt im Kopf?

 

Werke des Künstlers Stanley Whitney. Seine Arbeiten/ Leinwände sind stets quadratisch und aus farbigen Rechtecken bestehend. „Der Raum liegt in der Farbe“. Und für uns besaß die Farbe den Raum. Die Zusammensetzung meist großer, ausdrucksstarker Farblöcke vermittelt Ordnung, Struktur und Freude. Auf uns wirkten die Farbwelten an sich, die Kompositionen, Verläufe und Beziehungen innerhalb der Werke.

Die 23 Meter lange Stick-Arbeit der Künstlerin Britta Marakatt-Labba. Wenn man sich unmittelbar an das Werk begiebt, wird man ohne eine Aufforderung der Scouts in Freiheit (und Frieden) zur Betrachtung gelassen. No Distance here. Die Stickerei erzählt von einer Reise und selbst als Betrachter begibt man sich mit Hilfe der Erzählkunst der Sámi auf diese Reise. Was uns besonders beeindruckt hat, war die Wahl des Mediums zur Erzählung einer Geschichte von Vertreibung, Gegenwehr und Gewalt. Zart, mütterlich und unschuldig wirken Garn und Leinen. Doch jeder Nadelstich, jeder Durchstoß des Stoffes zeigt einen Schmerz, einen Punkt und jedes Detail, damit Geschichten wie diese nicht vergessen werden.

Das Erleben von Performance-Kunst, ist im Dialog mit anderen Menschen und mit den Chor Mitgliedern der Spaziergänge besonders gehaltvoll. Wir durften Perfomances von Marie Cool und Irena Haiduk erleben.

Man konnte deutlich fühlen, dass es sich bei der Auswahl der ausstellenden Künstler und auch der Werke und Arbeiten um Instanzen der Kunstszene handelt. Sowohl die Qualität, als auch die räumliche Zusammensetzung der Kunstwerke in den einzelnen Hallen und Räumen, sind von hochwertiger Konzeption, Intuiton und Erfahrung des Documenta Teams geprägt.


Nach 6 kurzen Stunden auf der Documenta 14 wurde uns bereits auf der Rückfahrt nach Leipzig bewusst: wir kommen wieder. In den nächsten 100 Tagen an denen die Documenta ab heute (10.06.2017) geöffnet ist, werden wir wieder gemeinsam mit anderen Menschen und einem Mitglied der Documenta durch Kassel spazieren.

Der Durst ist gestillt, das Bewusstsein geöffnet und das Interesse geweckt.

Kommentar (1)

  1. Pinkback: Spaziergänge auf der documenta 14 in Kassel – Kulturgeflüster Dresden

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