Peter Lindbergh

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Lesedauer: 3:00 min

Vor allem meine Mutter schien seither wenig beeindruckt von Schwarz Weiß Fotografie. Präsentierte ich als Teenager meine monochromen Werke, kam oft immer die gleiche Antwort. „Ach… warum denn Schwarz Weiß? Das sieht doch immer so traurig aus“.

Ich fotografierte gerne in Schwarz Weiß. Meinen Kater, Landschaften, Freundinnen. Alles was mich innerlich berührte, stellte ich in Schwarz und Weiß dar. Wenn ich jedoch Fotos in Schwarz Weiß UND ohne lächelnde Personen vorstellte, rechnete ich schon gar nicht mehr mit Lob.
Jung und formbar, ließ ich mich fast bis heute davon beeinflussen. Trotz dessen ziehen mich Arbeiten in Schwarz Weiß immer wieder in ihren Bann. Ich fühle mich wie hypnotisiert von der Leica M Monochrom Kamera und posiere selbst auf Fotos selten mit einem Zahnpasta Lächeln.

Warme, freundliche Bilder mit breitem Grinsen gefielen mir nie. Und nach dieser Dokumentation von Peter Lindbergh, weiß ich auch warum.

„… ich habe das Gefühl Schwarz Weiß, dass geht durch die Haut und die Farbe, geht da nicht durch…“. Peter Lindbergh

Ich hatte schon immer etwas gegen Fassade. Immerhin kommen viele Menschen nicht mehr mit „neutraler“ Laune zurecht. Falsche Begeisterung, Dauergrinsen und unter den Tisch gekehrte Tabu Themen haben sich, wie das morgendliche Zähne Putzen in den Alltag vieler  Menschen geschlichen. Man möchte freundlich sein, gemocht werden, man vermeidet, dass die Nachbarn heftige Streits mitbekommen und man verkneift sich seine eigene Meinung bis man sie sich am Ende völlig abgewöhnt hat.

„Lachen hat an sich finde ich, für Portraits oder Fotos überhaupt keinen Wert. Man kann so viele Sachen in Gesichtern sehen, die nicht lachen und wenn sie lachen, dann sieht man nur jemanden lachen. Das geht über alles drüber und macht den ganzen Rest kaputt. Beim Porträt finde ich, die ganzen wunderschönen Schichten, die gehen alle weg und dann kommt ein dickes Ding drüber, was man Lachen nennt.“ Peter Lindbergh

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Das klingt nach einer Menge Stoff zum Nachdenken, ist aber genau dass, was Schwarz Weiß Fotografie für mich unverblümt, ehrlich und ohne jegliche Scharade wieder zeigen kann. Den Kern wieder vorzeigen und längst verschüttetes wieder zugänglich machen.

Ich selbst verabscheue es mit Stativ zu fotografien. Ich möchte mich frei bewegen, mit dem Model interagieren und reagieren können. Nichts im Leben gibt mir ein vollkommeneres, dankbareres und befriedigenderes Gefühl, als der Moment in dem man spürt, dass man sein Bild hat. Den Moment gibt es bei durchgeplanten Shootings sowie bei spontanen und freien Projekten. Man hat die Sekunde, das Gefühl, das Bild bekommen und kann abschließen.

Schon immer betrachtete ich meine Kameras als Zeitmaschinen. Eine Zeitmaschine die halbe Sekunden festhalten kann. Emotionen, Alter, Raum und Zeit.
Wann haben wir Fotografen eigentlich aufgehört unsere Modelle mit einzubeziehen? Ihnen zu zeigen wie sie durch die Kamera hindurch aussehen. Immerhin sind sie es, die unsere Bilder zu dem machen was sie am Ende sind. Am Ende kann immer noch der Fotograf beeinflussen, wie viel Model und wie viel Mensch, Persönlichkeit er bekommt. Wie sehr vertraue ich mir selbst? Und wie sehr können andere mir vertrauen?

„Alles was er macht, soll bis zum Letzten echt und authentisch sein“. Casey Legler, Model

Einer der wichtigsten Fotografen der Welt, ein Stück deutsche Fotografiegeschichte, Künstler und Mensch. Peter Lindbergh hat mir jetzt nach 8 Jahren fotografieren gezeigt, was Schwarz Weiß Fotografie für mich bedeutet. Er hat mir gezeigt, was ich wie viele andere Menschen verloren habe. Und das, obwohl das visual Storytelling und Ehrlichkeit zusammen mit Authentizität das ist, was mich ausmacht.

Wer sich von seinen Arbeiten live beeindrucken lassen möchte, sollte sich unbedingt die aktuele Ausstellung „From Fashion To Reality“ in der Kunsthalle München ansehen. Diese kuratiert vom 13. April 2017 bis zum 27. August 2017 rund 220 seiner Werke.

Alle Zitate aus „Deutschland deine Künstler“ Das Erste.

M.