Mobbing, Sexismus & meine Story mit Digital Media Women


Lesedauer: 7:00 min

Vor einer Woche stand ich im Rahmen des Digital Media Women Themenabends: „Unternehmerinnen Erzählen„, vor vielen Frauen und einigen Männern. Ich wurde dazu eingeladen über Stolpersteine, Tipps und Episoden aus meiner Karriere als Gründerin zu erzählen. Dieser Talk gehört höchstwahrscheinlich schon jetzt zu meinen Highlights 2017 denn die Arbeit und die Präsenz der Digital Media Women spricht ganz klar für sich:

„Wir erhöhen die Sichtbarkeit von Frauen auf allen Bühnen.
Wir unterstützen und vernetzten Frauen, die den digitalen Wandel vorantreiben.
Wir übersetzen unsere Vision in eigene Formate und konkrete Vorschläge für Politik, Wirtschaft, Medien und Gesellschaft.“

Alles drehte sich an diesem Abend um das Thema Karriere. Ich fragte mich allerdings: wo fängt Karriere an und wo hört sie auf? Um das herauszufinden und mich im Detail vorzustellen, nahm ich alle ZuhöerInnen mit in meine Lebensgeschichte. Wie ich mit massivem Mobbing und sexistischen Vorurteilen umgehe und was mich wirklich nach vorne bringt, steht am Ende des Artikels.

Weil ich überwältigt von all der Kreativität, dem Wissen und der Toleranz war, viele neue Menschen kennen gelernt habe und anfing zu spüren, dass ich Teil einer Bewegung bin und sein möchte -zu der ich unweigerlich gehöre-, teile ich meinen Talk auf diesem Wege mit euch.


Meine Story:

Nach der Realschule konnte ich mir nach unzähligen Sitzungen mit dem Berufsberater nicht vorstellen, einen klassischen Ausbildungsberuf zu machen. Mein ganzes Leben lang Kosmetikerin? Mein ganzes Leben lang Rechtsanwaltsfachangestellte? 8 Stunden am Tag, an 5 Tagen in der Woche. Schließlich wollte ich hoch hinaus. Was das genau hieß, wusste ich damals noch nicht. Also entschied ich mich mit 16 Jahren mein Fachabitur nachzuholen. Das erste Mal raus aus dem Dorf. BUS fahren! Eine neue Schule, eine neue Stadt, neue Anforderungen. Genau das wollte ich!  Also fuhr ich jeden tag 4-5 h Bus. Meine Fachrichtung war Sozialwesen denn Wirtschaft kam für mich nie in Frage, da ich der festen Überzeugung war, dass die Größe X eine fest verschollene Variable ist, welche ich nie ausfindig machen könnte.

Nachdem ich also angenommen wurde, gehörten die 2 Jahre FOS ganz fest zu mir.
Ich umgab mich mit neuen Menschen, konnte meine Mobbing Vergangenheit aus der Realschule hinter mir lassen und meinen eigenen Weg gehen.
Der führte mich im zweiten Jahr in die Psychiatrie. Denn mein Praxisjahr begann und ich wählte die psychiatrische Klinik im Klinikum Görlitz als Praxispartner aus. Ein Jahr im Wochenwechsel zwischen Schulunterricht und Arbeit. Als ich dort anfing, war ich noch nicht Volljährig und durfte nicht in Schichtdienst arbeiten. Auch die geschlossene Station war für mich tabu.
Mein Tag startete in der Praxisphase um 4:00 Uhr morgens und endete um 18:00 Uhr abends. Dazwischen war wenig Zeit um den Schulkram vorzubereiten und die Erlebnisse zu verarbeiten. Um ehrlich zu sein, führte ich jeden Tag eine Strichliste, hakte jeden Tag einzeln ab, war kurz vor dem Abbruch, gab mein bestes und konnte das Praktikum am Ende mit „Sehr gut“ abschließen. Woher ich die Kraft nahm? Das kann ich bis heute nicht genau sagen. Vielleicht hat es mit der „Jetzt erst Recht“ Trotzigkeit zu tun.
Ich wischte also Körperflüssigkeiten auf, betreute manische, shizophrene, demente, persönlichkeitsgestörte Menschen und kroch unter Tisch meines Chefs um den Stecker seiner Schreibmaschine zu entfernen.

Nach erfolgreicher Abiprüfung stand für mich eines fest. Ich muss weg von zu Hause. Ich muss meinen eigenen Alltag haben, meine eigenen Regeln und ich brauche einen Tapetenwechsel. Mein ganzes Leben lang arbeitete ich nun im sozialen Bereich. Kindergarten. Pflegeheim. Psychiatrie, Babysitting, soziales Fachabitur.
Ich bin gerade 18, wünschte mich etwas mehr „Business“, weniger soziales und mehr Kopfarbeit.

BWL !!! Ich würde doch mit Sicherheit eine klasse Beraterin abgeben. Mit Bleistiftrock, festen Arbeitszeiten, einer unersetzlichen Position und so einem Bluetooth Stöpsel im Ohr.
Also machte ich mich erneut auf die Suche nach X und meldete mich nach der Zusage zum Studium für BWL in Mittweida, zum Mathematik Vorbeireitungskurs an.

Welcher mich schnell auf den Boden der Tatsachen zurück holte. „Ich frage mich, wie sie es bis hier her geschafft haben“. Das sagte der Mathe Tutor vor allen anderen Studenten zu mir. Gedanklich gab ich also schon den Bleistiftrock und mein Bluetooth Ohrstöpsel zurück und entschloss mich dazu ersteinmal Freunde zu machen. Ich ging auf Partys, schlief aus und versuchte mich umzuorientieren. Ich wollte auf keinen Fall wieder zurück nach Hause. Und in Mittweida bleiben wollte ich auch. Als die Vorbereitungskurse beendet waren und die restlichen Studenten eintrafen, ging ich zum Erstie Grillen.
Mit Hasseröder in der Handtasche und dem Herzen auf der Zunge, setzte ich mich unverblümt auf die Biergarnitur und reichte dem süßen Typen meine Hand. „Ich bin Maureen“. Und das war der erste Grundstein meiner heutigen Selbstständigkeit.
Seit diesem Tag, traf ich mich jeden tag mit Sebastian. So heißt der süße Typ nämlich und der, ist jetzt mein Business Partner. Nach 6 Montagen zogen wir in unsere erste gemeinsame Wohnung. Denn ich hatte ein großes Bett, er den Fernseher. Er half mir, mich dazu zu entscheiden Soziale Arbeit in Mittweida zu studieren. Sebastian, Medienmanegament, legte Schritt für Schritt sein Studium ab, um danach Karriere machen zu können.

Und ich saß im Stuhlkreis und erforschte mich und die psychologischen und pädagogischen Tiefen der Menschheit. Das Studium passte wieder nicht richtig und begann immer mehr zu zwicken. Ich hielt mich immer mehr in der Medienfakultät auf und musste erstaunte Gesichter besänftigen, welche mir nicht glaubten, dass ich soziale Arbeit studiere.
Irgendwas begeisterte mich an diesem Medien machen. Immerhin fotografiere ich seit Jahren, gestalte Weltmeisterliche Kollagen und drücke mich gerne in kreativer Schreibe aus.
Ich möchte ein online Magazin starten, ich möchte fotografieren, ich möchte Medien machen.
Soll ich parallel auch noch Medienmanagement studieren? Das erste Praktikum der sozialen Arbeit – im Kinderheim, trieb mich fast gänzlich vom Studium weg. Ich machte trotzdem weiter und hatte bald die Hälfte geschafft. Das Praxissemster stand an. Ab jetzt setzte höchst wahrscheinlich wieder wieder die „jetzt erst Recht“ Trotzigkeit ein. Ich entschied mich für ein Praktikum im psychosozialen Kompetenztraining für arbeitslose Frauen.

Dieses halbe Jahr formte mich. Mein Team bestand, wie die Zielgruppe, ebenfalls nur aus Frauen. Meine Chefinnen waren Mutter und Tochter, ließen mir Freiheiten, prägten den Begriff des Empowerments und waren ganz makellos perfekt für mich. Denn sie lebten ihr Schwächen, lebten und arbeiteten nach systemischen Ansätzen und waren mit sich im Einklang.
Die Arbeit erfüllte mich zu 100 % denn die Frauen nahmen mich seit dem ersten Tag an.
Zum Ende des Studiums schrieb ich meine Bachelorarbeit mit dem Kompetenztraining zusammen und schloss mein Studium ab. Ich habe in diesen 3 Jahren Studium gelernt zu kommunizieren. Zu verstehen, mich auszudrücken und am Ball zu bleiben. Ich weiß, dass ich mich zu den Menschen hingezogen fühle, die mit gut tun und an denen ich wachsen kann.
Ich konzentriere mich auf das was ich mache, auf das, was ich erreichen möchte und auf das, was mich glücklich macht.

Ende 2015 haben Sebastian und ich eine Nische gefunden, uns selbstständig zu machen. Wir beide waren in vielen unserer Jobs unglücklich und wollten jetzt versuchen auf eigenen Beinen zu stehen. Frei und unabhängig. Wir scheuen uns nicht davor viel und hart zu arbeiten, sind davon überzeugt, dass alles aus einem Grund geschieht und hören immer auf unsre innere Stimme.


 

Wie gehe ich also konkret mit Stolpersteinen und Hindernissen um?

 

Mobbing 

Irgendwann fand ich in der Schule einen Zettel unter meinem Stuhl mit den Worten:

„Die müsste mal vergewaltigt werden- die würde am Ende noch drauf stehen!“

Klar war das blöd. Es war genauso blöd auf Grund seiner Unterwäsche gehänselt zu werden.
Man kann sich in der heutigen Gesellschaft, in der Frauen offen über ihre Periode sprechen können, sich nun die Achselhaare rasieren oder nicht, nicht vorstellen gemobbt zu werden weil man Hotpants oder Slips statt Tangas trägt.

„Ey Maureen! Gehste wieder zelten?“

Trotzdem habe ich nie ein Opfer aus mir gemacht. Ich habe die Lehrer Zusammen getrommelt, den Rektor kontaktiert und einen Wechsel in die Parallelklasse angemeldet. Problem gelöst!
Los gelassen, was mich unterdrückt hat und mich dem was mir nicht gut tat den Rücken zugewendet.

 

Vorurteil behaftete Unterbewertung 

Als Hostess im roten, engen, Kleid und in Absatzschuhen ein Auto zu erklären von dem man besser bescheid weiß als 70% der Messebesucher. War eine meiner einprägsamsten Arbeitserfahrungen.

„Die Maus hat doch keine Ahnung!“

Doch! Und mit dem Wissen und einem Durchgedrückten Rückgrat, kennt sie den Wendekreis, das Multimediasytem und das Ladevolumen des Fahrzeugs in und auswendig.

NOW

Schlussendlich möchte ich mich nicht auf die Ungleichheiten konzentrieren. Ich möchte mich auf positiven Fortschritt, auf Zusammenhalt und Kreativität konzentrieren. Darauf, dass jeder Mensch besondere Fähigkeiten hat und zu allem in der Lage ist. Egal ob Mann oder Frau.
Denn in meiner Branche stehen immer mehr Frauen. Auf Kongressen, Speaker Events, in Kundengesprächen und Konferenzen. Überall sind Frauen in wichtigen Positionen, welche sich zu Wort melden. Denn in der heutigen Zeit und in meinem Daily Business, gibt es selten Querschläger und schwarze Schafe.

Was soll also am Schluss meines kurzen Talks stehen?
Die meiste Power haben die innere Einstellung, die Haltung und die EIGENEN VISIONEN. Aufrecht stehen. Wissen aneignen. Selbstbewusst sein. Reflektieren. Kommunizieren und Hinterfragen.

 

Credit Titelbild: annabelle sagt
Credit Bild im Einleitungstext: Effektrausch